Die SP Kanton St.Gallen freut sich über einen mehrheitsfähigen Gesetzesvorschlag. Dieser ist konsensorientiert und erfreut sich am Grundsatz, so viel wie möglich ermöglichen und so wenig wie möglich verhindern. Der Ball liegt nun bei den Parteien, sich für eine moderne Schule einzusetzen.
Die SP fordert: Oberstufe ohne Separation Real – Sek
Die Schweiz und der Kanton St.Gallen müssen ein Interesse an weniger sozialen Ungleichheiten von Bildungschancen und an einem höheren Output an qualifizierten Absolvent*innen haben. Die Sozial- und Bildungspolitik ist daher gefordert, die Aufhebung der Selektion im Bildungssystem in der Volksschule und die Verringerung sozialer Ungleichheiten in der Bevölkerung voranzutreiben.
Im internationalen Vergleich erfolgt in der Schweiz die Selektion in die verschiedenen Lehr- und Laufbahnrouten sehr früh im Bildungssystem (Sek – Real ab der 7. Klasse). Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die in unserem Kanton einen Drittel ausmachen, haben häufig weniger Chancen in die höheren Bildungswege (z. B. Gymnasium) aufgenommen zu werden. Dies verstärkt soziale Ungleichheiten und führt dazu, dass die Chancenungleichheit auch bei der Berufsausbildung und im weiteren Leben bestehen bleibt. Diese frühe Selektion führte bisher zu einer Segregation in der Schweiz, bei der bestimmten Gruppen Zugang zu höheren Bildungswegen, sozialem Aufstieg oder gesellschaftlicher Teilhabe erschwert wurden. Um diese Stigmatisierung zu stoppen, fordert die SP die Aufhebung der frühen Selektion[1].
Die SP fordert: kognitiv schwächere Kinder in Primarschule voll integrieren
In Schulen mit integrativer Schulform bringen Kinder bessere Schulleistungen und Kinder verschiedener Schichten sind sozial integrierter, dies wurde mehrfach empirisch bestätigt. Die SP Kanton St. Gallen freut sich deshalb über die verbesserten Rahmenbedingungen, damit integrative Schulformen gelingen können. Schulische Integration soll zudem bereits in der Frühen Förderung durch Sprachförderung, heilpädagogische Frühförderung, Logopädie, Ergotherapie, Spielgruppen etc. eingeleitet werden.
Die SP freut sich zudem, dass mit dem neuen Gesetz die Schulbildung während längerer Krankheit und Spitalaufenthalt institutionalisiert und sichergestellt werden soll, damit auch kranke Kinder keine Benachteiligung und keine nachhaltigen Bildungslücken erfahren.
Die SP fordert: Flexibilisierung der Durchlaufzeit im Zyklus 1
Nach der Einschulung in den Kindergarten können Kinder die Durchlaufzeit im Kindergarten oder in der 1. Klasse verkürzen respektive verlängern. Die SP sieht mit der Flexibilisierung der Durchlaufzeit im Zyklus 1 eine Antwort auf die unterschiedliche kognitive und soziale Entwicklung, welche die Kinder mitbringen. Die Durchlässigkeit im Zyklus 1 muss unbedingt zusammen mit der Frühen Förderung gedacht werden. Massnahmen im Kindergarten sind oft bereits zu spät.
Die SP fordert: durchgängig notenfreie Beurteilungen in der Primarschule
Das Weiterführen des Benotungssystems sowie der Hausaufgaben sind der aktuellen Forschung entgegengesetzt. Die SP Kanton St.Gallen ist gespannt, wie die Antworten in den Vernehmlassungen dazu aussehen.
[1] Vgl. Kanton Tessin

